Willkommen bei Jogi-wan...

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Sonntag, 3. Dezember 2017

Da geht noch was - Über die Marktsituation bei gebrauchten Pfeifen!

Ja, alles wird teurer, ich weiß! Natürlich gilt das auch für Pfeifen. Für gebrauchte und für neue erst recht. Wer in den letzten Monaten bei Ebay, Quoka und Co. oder in einschlägigen Facebook-Gruppen nach gebrauchten Rauchwerkzeugen Ausschau hält, kann sich gelegentlich des Eindrucks nicht erwehren, dass dort Teile des Nibelungenschatzes veräußert werden oder der Verkäufer zum realen Warenwert gleich noch Datum und Uhrzeit dazu addiert hat, um auf einen „supergünstigen“ Verkaufspreis zu kommen.
Oft ist man dann versucht, betreffende Seiten sofort wieder zu schließen, nicht aber, ohne dem jeweiligen Verkäufer Realitätsverlust und einen dringend benötigten Therapietermin zu unterstellen. Ja und nun? Gut, wer sein Geld quasi im Schlaf verdient, kann es sich vielleicht leisten, die verlangten Mondpreise zu zahlen, ohne das der innere Schweinehund auf verminderte Zurechnungsfähigkeit plädiert. Wer sich aber für seine paar Kröten im Monat krummlegen muss, sieht es nicht ein, einen Teil dieser Kohlen auch noch sinnlos durch die Gegend zu werfen wie der heilige Nikolaus die Nüsse.
Prestige - der erste Begriff, den es zu hinterfragen gilt, will man zu einer befriedigenden Lösung des Problems kommen. Gut, wer seine Pfeifen beim Stammtisch immer mit dem Markennamen nach oben ablegt, damit die eigene „Kennerschaft“ durch Rauchhölzer mit bekanntem Schriftzug untermauert wird, hat ein Problem. Damit dieses Vorhaben gelingt, muss es sich dabei um Namen handeln, die die Allgemeinheit der Pfeifenraucher kennt und, aus welchem Grunde auch immer, als besonders wertig und somit wertvoll einstuft. Oft steckt hinter diesen Namen aber gar keine besondere Qualität, sondern schlicht gutes Marketing. Ein Marketing, dass den Besitzer solcher Pfeifen als Kenner, womöglich sogar als wohlhabenden Kenner ausweist. Das ist dem Besitzer wichtig, der Gruppe, in der er sich bewegt, meist auch… na ja, und schon haben wir den Salat. Weil man selber auch dazu gehören will, auch von diesem Ruf profitieren will, sucht man nach diesen Namen auch auf dem Gebrauchtpfeifenmarkt. Da das als Herdentrieb funktioniert, ergeben sich rasch für die gesuchten Marken astronomische Preise… und die werden auch noch bezahlt. Fatal, dass sogar viele Pfeifenraucher wissen, welchem System sie da aufsitzen, sie aber einfach nicht die Chuzpe haben, sich als selbstständig denkendes und gegen den Strom schwimmendes Individuum zu etablieren. Halten Sie in entsprechenden Kreisen eine Dunhill in die Luft… und sehen Sie , wie schnell das Leuchten in den Augen abnimmt, wenn sie sie gegen eine Astley's oder Blakemar austauschen. Kriegen Sie das hin?


Wenn ja, kommen wir zum zweiten wichtigen Begriff: Fachwissen! Nein, bitte nicht gleich die Augen zukneifen oder rollen, ich bitte hier auch Beginner, erst einmal weiter zu lesen. Ich will Sie nicht zum Studium der Pipologie nötigen. Mir geht es nur darum, aufzuzeigen, wie sehr man Geld sparen kann, wenn man sich ein wenig interessiert. Wem es nun gar zu widerwärtig ist, sich ein wenig mit Hintergründen und unbekannteren Pfeifenmarken zu beschäftigen, wer nicht in Ruhe Angebote anschauen und für sich eine persönliche Wertigkeit festlegen will, ist vielleicht bei der falschen Leidenschaft gelandet… oder ihm ist dieses ganze Thema egal und er kann sich spätestens an diesem Punkt aus dem Artikel verabschieden und etwas für sich sinnvolles tun.
Für die Weiterleser vielleicht ein kleines praktisches Beispiel! Sie finden bei Ebay das Angebot einer „Courrieu Cogolin“-Pfeife. Gute Fotos zeigen Ihnen eine wunderbare Sandstrahlung, ein klassisches Army-Design, mit Hallmarks… einfach schick! Das Problem ist, dass Sie noch nie von dieser Firma gehört haben. Die Auktion läuft noch zwei Tage, die Pfeife steht bei 3,50 Euro. Zeit und Anreiz genug, am Rechner ein neues Fenster zu öffnen und dem allwissenden Klugscheisser „Google“ diesen Markennamen vor den Latz zu knallen.
Der teilt Ihnen mit, dass es sich dabei um die älteste französische Pfeifenfabrik handelt, immer noch in Familienbesitz und mit einer Tradition seit 1802! Zu dieser Zeit haben die Macher der „allgemein angesehenen Marken“ pfeifentechnisch noch auf den Bäumen gelebt. Schau' mal an. Sie erfahren zusätzlich etwas über die Geschichte des Unternehmens und über den hohen Qualitätsanspruch, den man dort immer noch an die eigenen Produkte stellt. Eine kurzweilige halbe Stunde haben Sie mit dieser Informationssuche verbracht - es kann Spaß machen, zu lernen. Nun greifen sie zu Ihrem kleinen Notizbuch (ja, ich bin halt altmodisch) und notieren sich den Namen samt einiger, für Sie relevanten Infos - für das nächste Mal.


Dann kehren Sie zum Angebot zurück, sehen die bislang unbekannte Pfeife mit ganz anderen Augen und beschließen, bei diesem schönen Zustand einfach mal zwanzig Euro zu riskieren. Zwei Tage später sind sie im Besitz einer, großartig gefertigten und wunderbar zu rauchenden Pfeife, mit hohem klassischem Anspruch… für 17 Euro. Denn, außer Ihnen wussten scheinbar nur zwei Bieter halbwegs, worum es hier geht, wollten diese Pfeife dann aber auch noch geschenkt haben. Schönes Schnäppchen, SIE wissen das. Wenn am Stammtisch später jemand mit dem Namen nichts anfangen kann, ist das doch sein Problem. Sie sind, nur durch ein wenig Information und sorgfältige Begutachtung, zu einer tollen Pfeife gekommen. Das zählt letztlich, NUR das zählt, wenn es darum geht, Freude und Genuss bei der Leidenschaft zu empfinden… alles andere ist Show für die Galerie. Sie können den Namen beliebig austauschen, ganz nach persönlichem Geschmack oder geographischen Vorlieben könnte da auch Gigi, Civic, Danmore oder Kansas drauf stehen. Informationen gibt es genug, ein Füchschen und später ein Fuchs zu werden ist gar nicht so schwer - und Spaß macht es, wie schon gesagt, auch noch.


Um diesen Zeilen Gewicht zu verleihen, könnten wir jetzt noch über antizyklisches Kaufverhalten schwadronieren oder die unbedingte Kennerschaft des Pfeifenmarktes als unverzichtbare Basis für einen qualitativ hochwertigen Pfeifenbestand festlegen. Doch so kompliziert ist es gar nicht. Einfach mal die herkömmlichen Suchraster löschen. Durch die Angebote spazieren wie über einen Flohmarkt… und mit offenen Augen das betrachten, was einem gefällt und nicht immer nur das, für das man sich üblicherweise interessiert. Vielleicht auch zweimal hinschauen und ruhig gelegentlich dem Bauchgefühl vertrauen. Kann man ruhig machen, da es allgemein nicht gerade um Unsummen geht, die investiert werden müssen. Wenn dann an besagtem Stammtisch mal wieder Objekte der „Platzhirschen“ herum gezeigt werden, kann man still in sich hinein lächeln und die eigenen „unbekannten“ Hölzer vorzeigen. Die oft erstaunten und verblüfft anerkennenden Gesichter der vermeintlichen Kenner gibt es dann gratis dazu. Ich kann nur raten es einmal auszuprobieren.
Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 29. November 2017

TAK - Moro Cake

Darf man eigentlich schreiben, dass Tabak sexy ist?… und dann noch ausgerechnet Latakia? Man darf!

Wohlig süß, butterweich, wunderbar rund und mit sattem reifem Aroma spielen die 50% Latakia ihre Stärken aus, dazu kommen Virginias von feiner Würze, ein samtiger Black Cavendish und etwas fruchtig perlender Perique zur delikaten Abrundung. Ein Leckerbissen italienischer Art, für den Toms Mitarbeiter
Salvatore verantwortlich zeichnet. Molto gustoso, grazie amico mio! Für L-Fans wieder mal ein Fest… und schon der Duft aus der Tüte lässt die Synapsen tanzen!



Autor: 
Ralf Dings 

TAK - Am7 b5

Nein, das ist kein Abschuss-Code für Mittelstrecken-Raketen - das ist ein musikalischer Akkord und der Name meines heutigen Favoriten! Lieber Benzin-Zippo als du Pont? Lieber grob gestrahlt als glatt poliert? Lieber braunen Zucker als Stevia? Lieber Bier als Champagner? Na also, rockt doch! Hier ist der Tabak dazu! 


Genialer Virginamix, mit eher herb-süßer Fülle. Kerniger Ready Rubbed mit herrlich fetten Curlys, ein ordentlicher Schlag Perique bringt Frische und Pfeffer dazu, macht die Mischung satt und rund und würzig. Der Bursche quillt über vor handfestem Tabakgenuss. Dazu eine komplexe, harzige Süße - passt! Wie der nochmal heisst? Na: „Am7b5“. Doofer Name? Ist doch wurscht - der Tabak ist klasse! Richtig klasse...


Autor: 
Ralf Dings

Montag, 27. November 2017

TAK - Dark Matter

Liebe Freunde der US-Latakiamischungen mit Schmackes: Hier kommt ein weiterer Grund, zukünftig auf Zoll-Formalitäten zu pfeifen! BÄNG! Die volle Faust auf den Tisch. Hier wird nicht „geweicheit“. Achtung Ansage: 50 % Latakia, 25 % Perique, dazu brasilianische und afrikanische Virginias! Ergibt? Einen saft- und kraftvollen Krautwickel mit deftiger Rauchigkeit bei eher zurückhaltender Süße. Dafür gibt es von Sgt. Pepper (Perique) noch 'ne ordentliche Schaufel würziger, harziger Frische dazu.


Gelungene Abrundung durch die begleitenden Virginias. Chef ist aber ganz klar Big L. (s. Fahndungsfoto), der mit seinem Komplizen, dem unehelichen Burley-Sohn aus St.James, schnell und unmissverständlich klar macht, dass das hier kein Mix für Hosenmatze ist. Vollwürzige Latakia-Mixture gesucht? Bitteschön! Für Fans ganz klar ein Jahres-Highlight!

Autor:
Ralf Dings

TAK - Wahwah

Eigentlich ist das "WahWah" ja ein Bandpass-Filter. Hier ist aber nichts gefiltert - eher das Gegenteil trifft zu. Brasilien, Indien, Afrika. An vielen Orten der Welt wird heute Virginia angebaut... und das beschert der eigentlich gleichen Pflanze die unterschiedlichsten Aromen - je nach Wachstums- und Klimabedingungen. So reicht die Bandbreite der Virginias im WahWah von vollmundig süß über grasig, kräuterig bis herbsüß kräftig. Dieser abwechlungsreiche und hocharomatische Mix wird durch etwas fruchtigen Perique und sanft kräftigenden Kentucky zu einer, sehr delikaten Reise durch die Virginia-Welt ergänzt. In hohem Maße abwechslungsreich und komplex - ein feiner Genuss! Etwas Vortrocknung ist angeraten.



Autor:
Ralf Dings

Sonntag, 19. November 2017

Ogden's of Liverpool - St. Bruno Flake

Sehr, sehr lecker! Ich werde sicher nicht der Einzige sein, der den „St. Bruno“ zuallererst mal mit der Ready-Rubbed-Variante vergleicht, wie sie z.B. in Spanien verkauft wird. Nun liegt mein letztes Pfeifchen davon schon eine Weile zurück, und ich habe auch nichts mehr davon da um herauszufinden, ob ich schon eine von Mac Baren angemischte Version geraucht habe, aber… Der Flake hier kommt mir schon verschieden vor!

Das gilt für alle sensorischen Aspekte, vom Offensichtlichen wie dem Schnitt absehend einmal mit dem Duft angefangen, den ich, kurz gesagt, einfach klasse finde. Ich hätte aus meiner Erinnerung an den Ready-Rubbed mit viel mehr Aftershave gerechnet. Das meine ich wertfrei, ich bin seifigen Tabaken seit kurzem sehr zugeneigt, ohne, dass meine üblichen Vorlieben dadurch in den Hintergrund getreten wären. Sehr Angenehm finde ich, dass auch der typisch säuerliche Kentucky-Geruch nur sehr zurückhaltend ist. Der „St. Bruno“ duftet zusammengefasst wie dunkles, sehr dunkles, super saftiges Früchtebrot mit ein wenig winterlichen Gewürzen.


Und diese Eindrücke finden sich auch im Geschmack wieder. Keine Kentuckybombe, ich reagiere sehr sensibel auf den Geschmack dieses „darkfired-Sauerkrauts“, aber hier ist entweder nicht besonders viel davon enthalten oder er ist vom Casing her sehr gut gepuffert. Auch dieses unterscheidet sich in meiner Wahrnehmung von dem des (alten?) Ready-Rubbed. Die Rasierwasserfrische springt, außer vielleicht beim ersten Anzünden, nicht fröhlich in den Vordergrund, sie spielt verhalten immer mit, aber nie so ausgeprägt, dass man den „St. Bruno Flake“ als besonders seifigen Tabak bezeichnen könnte.

"Floral", auch gern genommen, trifft
es ebenfalls nicht ganz - ich empfinde das Casing eher wie, schon im Poucharoma ist es mir aufgefallen, eine ausgewogene Mischung winterlicher Gewürze, ohne dass ein bestimmtes Gewürz wie Zimt, Nelke, Kardamom genau zu benennen wäre. Die Tabakmischung verblüfft mich ebenfalls. "Ausgewählte Kentuckyblätter [...] zusammen mit leuchtenden Virginiablättern" seien da drin, und das muß man erst mal glauben.

Beim alten Ready-Rubbed war das auch eine klare Sache, aber hier beim Flake würde ich es nicht so eindeutig erkennen. Ohne Vorinformation müsste ich lange rätseln, woraus der „St. Bruno-Flake“ denn nun bestünde. Da schmecke ich Erdigkeit ohne harsche Rauheit, tiefe, dunkle Süße ohne Spitzen… Ein sehr voller, weicher Rauch wird da produziert, der schon aufgrund seiner Textur kugelrund zwischen die Synapsen kullert, um dort zu würziger Süße zu zerschmelzen. Zu lyrisch?

Das bringt mich zu einem weiteren Aspekt des „St. Bruno“, denn Schuld daran, dass mir hier die Pferde durchgegangen sind, könnte durchaus der nicht zu verachtende Nikotingehalt des Tabaks sein. Der wird nämlich ganz hinterrücks mit zwischen die o.g. Synapsen gekullert und kleistert sie dick zu. Bevor man es merkt, ist einem schwindelig.

Ich rate übrigens davon ab, die Flakes vor dem Rauchen zu sehr abtrocknen zu lassen. Sie kommen zwar recht feucht aus der Verpackung, aber eine ganze Nacht offen auf dem Schreibtisch hat der vollen Pfeife, die ich so probiert habe, nicht gut getan. Da kamen Schärfe und Kratzigkeit zum Vorschein, die angesichts der vernünftigen Abbrandeigenschaften, auch des noch etwas feuchten Tabaks, einfach umgangen werden sollten.

Zur Verpackung selbst: Ich finde ja diese Katzenfutterschälchen im Pouch sehr klasse, ohne genau benennen zu können, warum. Vielleicht einfach bloß, weil sie mich an den „Player's Navy Flake“ erinnern, der vor seinem endgültigen Ableben so verpackt war. Das Pouchdesign selbst finde ich sehr gelungen, im Hinblick darauf, wie geschickt der Warnhinweis heruntergespielt wurde, indem man sozusagen einfach das Label einer Rechteckdose darüber montiert hat. Zusammengefasst freue ich mich sehr darüber, dass der „St.Bruno Flake“ endlich wieder problemlos in Deutschland erhältlich ist, und zwar seiner selbst wegen, denn ich gehöre nicht zu denen, die seit Jahrzehnten irgendeiner Variante des Tabaks hinterher trauern. Für mich ist er neu und spannend und eine willkommene Bereicherung.


Autor:
Markus Heinrich

Sonntag, 29. Oktober 2017

Kolumne: Künstlerische Freiheit wird überbewertet!


Ja, ich weiß… alles ändert sich. Überzeugungen, Wertigkeiten, Abläufe. Warum sollte da die Pfeifenwelt eine Ausnahme machen?
Also, das mit den Freehands habe ich so gelernt: Man schaut sich die Werke der jeweiligen Macher an, findet seine Favoriten, bewundert deren Interpretationen, hat Spaß an den verschiedenen Umsetzungen und Formensprachen und erfüllt sich schließlich solch' einen Wunsch, stolz, ein Stück des jeweiligen Machers zu besitzen. Es gab und gibt auch einzelne Pfeifenmacher, die gern nach Wunsch fertigen, das auch kundtun und Freude daran haben, die Vorstellung des Kunden umzusetzen. Trotzdem besitzt der Kunde eine gewisse Wertschätzung für den Macher und dessen Umsetzung und freut sich darauf, seine Wunschpfeife im Stil des beauftragten Pfeifenschmieds in Empfang zu nehmen und legt ihm deshalb keine zu engen Fesseln an.
Das aber scheint zunehmend Schnee von gestern zu sein. Heute läuft das z.B. so: Jemand sieht eine Pfeife, die für eine andere Person gefertigt wurde. Selbstbewusst greift er zum Hörer, kontaktiert den Macher und gibt ihm den Auftrag, exakt die gleiche Pfeife noch einmal zu bauen… nur mit blauem, statt schwarzem Ring. Seltsam, aus mehreren Gründen. Frage eins: Was wird der ursprüngliche Kunde denken, wenn er ein angebliches Unikat für nicht gerade schmales Geld erwirbt, dann aber feststellt, dass eben dieses Unikat beliebig oft vervielfältigt wird? Frage zwei: Hat der Folgeinteressent so wenig eigene Phantasie, dass er sich eine „individuelle“ Pfeife bauen lässt, die es bereits gibt? Frage drei: Welche Erfüllung empfindet der Pfeifenmacher für seinen künstlerischen Anspruch, wenn er sich (aus monetären Gründen) zur Kopierfräse degradieren lässt?

Es geht aber noch krasser. Da werden Pfeifenmacher (die NICHT für Auftragsarbeiten werben) ungefragt mit konkreten Formvorstellungen und Maßvorgaben versorgt… und der Anweisung: bau' das mal! Ja ja, ich weiß… der Pfeifenmacher muss ja nur ablehnen. Doch, einmal muss auch ein Pfeifenbauer von etwas leben und seine Rechnungen bezahlen und zum Zweiten ist DAS nicht mein Problem. Was mich in solchen Fällen dazu bringt mich fremd zu schämen, ist der Mangel an Respekt, der hier klar ersichtlich ist. Meine Oma hätte gesagt: „Jung', das gehört sich nicht!“ Doch, Omas Weisheiten sind in der heutigen, ständig fordernden, da ja dafür bezahlenden Gesellschaft nicht mehr so gefragt. Ganz daneben und den Tatbestand der Unverschämtheit in vollem Umfang erfüllend, ist folgende Vorgehensweise: Ich kontaktiere einen Pfeifenbauer, sende womöglich noch Fotos mit und frage ihn, ob er die Pfeifen des gezeigten und beschriebenen Kollegen kenne? Wenn er bejaht, gebe ich ihm den Auftrag, mir auch solche Pfeife zu bauen, denn er sei ja schließlich billiger! Einzelfall? Mitnichten, das kann ich Ihnen versichern.


Namen wird dieser Artikel sicher nicht enthalten, aus Gesprächen mit etlichen Pfeifenmachern kann ich aber versichern, dass solche Vorgehensweisen oft eher die Regel, als die Ausnahme sind. Bezeichnenderweise haben aber nicht alle Pfeifenmacher unter solchen Auftraggebern zu leiden. Je unnahbarer sich der Pfeifenbauer gibt, desto seltener sind solche Übergriffigkeiten.

Soll man daraus jetzt den Schluss ziehen, dass z.B. die Social Networks für solchen Verlust an Achtung und Respekt vor dem künstlerischen Schaffen verantwortlich sind? Das würde den Rat an die Macher nach sich ziehen, sich in diesen Haifischbecken der Kumpelei so reserviert und distanziert wie möglich zu verhalten. Will man das? Ist es nicht schön, mit Pfeifenkünstlern auf Augenhöhe kommunizieren zu können, an ihren Ideen und Werken teilhaben zu können? Muss denn eine solche Nähe automatisch zu Forderungen führen, die der eigentlichen Begabung eines solchen Kunsthandwerkers so zuwider laufen… und das auch noch zum „Freundschaftspreis“, weil man sich ja schließlich kennt?

So richtig will ich daran nicht glauben, frage mich aber, wann sich die Auffassung und die Ansprüche der Kunden gegenüber den Machern so geändert haben. Klar sieht mancher Pfeifenbauer das nach außen nicht so dramatisch. Der Mitbewerb ist groß, man will den Interessenten nicht verprellen und so verbiegt man sich halt, macht die Faust in der Tasche und alles ist gut. Ist es das? Vielleicht bin ich auch Opfer meiner eigenen, nostalgischen Romantik. Wer in Schönheit und Stolz stirbt, stirbt trotzdem. Man muss sehen, wo man bleibt und passt sich halt an. Der Schwätzer, der diese Zeilen schreibt, hat gut reden… er muss ja vom Pfeifenbau nicht leben. Ok, das verstehe ich. Trotzdem war und ist es mir ein Bedürfnis, anzumerken, dass wir alle durch diese neue Sicht-und Vorgehensweise etwas Wesentliches verlieren. Die Vielschichtigkeit, die Entwicklung verschiedenster Baustile verdanken wir der Tatsache, dass die Pfeifenbauer ihre Formensprache frei entwickeln konnten, getragen von einer, mehr oder weniger, großen Schar an Anhängern. Wir verdanken sie auch der Tatsache, dass Enthusiasten weltweit Achtung und Respekt vor dieser Kunstform hatten.


Natürlich ist es legitim, einen Pfeifenmacher um eine Dublin, Pot oder Bulldog zu bitten. Solange man seinen ureigenen Stil schätzt und ihm die nötigen Freiheiten in Form und Farbe lässt, wird dabei ein harmonisches, beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis heraus kommen. Wer aber schon mit komplett eigenen Vorstellungen, was die Ausführung und Farbgebung betrifft, anrückt, wer eigentlich nur zwei geschickte Hände sucht, um seinen eigenen Entwurf gefertigt zu sehen, sei der auch noch so skurril, hat etwas Wesentliches am Beruf des Pfeifenmachers nicht erkannt oder beachtet es nicht.

Abschließend kommt noch erschwerend hinzu, dass viele Hobby-Pfeifendesigner ihre Vorstellungen noch möglichst kostengünstig umgesetzt sehen wollen. Das führt entweder zu Fertigungen, die gerne mal kompromissbehaftet sind oder dazu, dass der Macher ein gehuschtes Werk nicht mit seinem Anspruch verantworten kann, es trotzdem so gut macht, wie er es vermag, dann aber zehn oder mehr Stunden an einer Pfeife baut, die er dem Kunden letztlich für 200 Euro überlässt. Das ist dann aber nur noch für Pfeifenbauer machbar, die aus lauter Enthusiasmus keine Stundenlöhne ausrechnen. Leben (auch in Teilbeschäftigung) kann man davon nicht mehr. Warum ich das alles schreibe? Weil mir die Entwicklung auf diesem, für die Individualität der Pfeife so wichtigen, Sektor Sorge bereitet. Nur Gedanken halt - wie es schon in der Überschrift steht.

Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings