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Samstag, 11. Mai 2013

Die "Calaberlinashs" von Nils Thomsen

Er ist ein engagierter Querdenker, nicht nur in Sachen Pfeife. Nils Thomsen aus Berlin, Pfeifenmacher des Jahres 2007 und ein wenig der "Daniel Düsentrieb" unter den "Pfeifenschmieden." Gerade seine Experimente in Sachen Verfeinerung der Rauchqualitäten stoßen (nicht nur) bei mir immer wieder auf Interesse.


In diesem Fall kann man von dem gelungenen Versuch sprechen, das Raucherlebnis mit oFi.-Pfeifen auch und gerade für die "Filterfraktion" angenehmer zu gestalten. Das Ausgangsprodukt der Überlegungen ist in diesem Fall eine "uralte Erfindung" - die Calabash. Jedem engagierten Pfeifenraucher sind diese "Ungetüme" schon einmal begegnet... und jeder Pfeifenfan hat von ihren legendären Rauchqualitäten gehört.


Der besonders trockene und "kühle" Rauch einer Calabash ist kein Hexenwerk. Der Meerschaum-Einsatz absorbiert zuverlässig bereits einen Teil des beim Rauchen entstehenden Kondensats. Der "vorgereinigte" Rauch wird dann in der großen "Kürbis-Kammer" verwirbelt, wobei sich weiteres Kondensat an den Wänden niederschlägt und so erstaunlich trockener Rauch zum Gaumen befördert wird. Doch, ein Vorteil kann auch Nachteil sein. Aromatisierte Tabake transportieren ihre Aromen eben durch diesen Wasserdampf (Kondensat). So kann es durchaus geschehen, dass man seinen Lieblingsaromaten (aber auch seinen eher mild aromatisierten "Naturburschen") durch die zweifache "Entwässerung" nicht wieder erkennt... und sich tatsächlich auf die Suche nach passenden Tabaken für diese besondere Pfeifenart machen muss.

Zudem erfordert eine Calabash konzentriertes Rauchen. Ihr Zugverhalten ist gänzlich anders, als man es gewohnt ist. Durch den großen Verwirbelungsraum wirkt der Zug immer ein wenig "hohl"... ein Gefühl, an das manche Raucher sich nie gewöhnen. Zudem steht die ausladende Form der Calabash einer Mitnahme und somit dem "Unterwegs-Genuss" im Wege.

Grund genug für Nils Thomsen, sich über die Probleme Gedanken zu machen... auch über die Beibehaltung des gewohnten Tabakgeschmacks... und die positiven Aspekte einer Rauchverwirbelung beibehalten zu wollen.

Es begann mit diesem Exemplar:


Hier passte er einer in der Höhe gekürzten Gebraucht-Pfeife einen neuen Kopfeinsatz an und nutzte den früheren Tabakraum als Verwirbelungskammer, in dem er ihn erweiterte und rustizierte (!), um die Fläche für den Kondensat-Niederschlag zu vergrößern. Der Effekt ist verblüffend. Trotz der kompakten Maße gelingt es einem gewohnten "Filterraucher" wie mir, ohne Filter ebenso trocken zu rauchen, wie mit. Dabei intensiviert sich der Geschmack der gewohnten Tabake angenehm, ohne scharf zu werden. Die Pfeife kann man getrost als "Tabak-Lupe" bezeichnen! Feuchtigkeit im Mund oder Brennen der Zunge bleiben aus. Für mich ein erstaunliches Erlebnis.

Die anfängliche Befürchtung, die Verwirbelungskammer nicht ordentlich reinigen zu können, hat sich nicht bestätigt. Durch die extrem weite Holmbohrung ist eine Reinigung mit geknickten und gebogenen Reinigern kein Problem. Geruchsbildung oder Geschmacksveränderung blieben auch bei mehrmonatiger Nutzung der Pfeife aus.

Ungewohnt, aber von besonderer Erscheinung sind die "Hauspfeifen" der Serie. Voluminöse Eichenkörper mit Bruyere-Einsatz und jeder Menge "Verwirbelungsraum". Doch der Eichenkorpus führt noch zu einer weiteren Besonderheit. Durch das Holz bekommt jeder Tabak einen speziellen, leicht erdig-dunklen Charakter... was den getesteten Kräutern "sehr gut steht".


Zusätzlich zum Mittelzugloch gibt es bei dieser Version ein weiteres Zugloch etwas höher. Das stärkt den Verwirbelungseffekt, wenn beide Löcher "in Betrieb" sind und ermöglicht ein problemloses Weiterrauchen, falls das Mittelzugloch mal an "Verstopfung" leidet.

Hier der Versuch einer Darstellung:


Als Prachtausführung darf diese Poker mit Echtbernsteinring gelten. Sie verfügt ebenfalls über das Mittelzugloch und ermöglicht zusätzlich die Verwendung eines 6 mm-Filters. Aus eigener Erfahrung würde ich aber vom 6er AK-Filter abraten... er verhindert "erfolgreich" den nötigen freien Zug. Ideal ist der relativ neue 6er Papierfilter von Denicotea. Er ermöglicht super empfindsamen Naturen, dem Rauch zusätzlich noch Feuchtigkeit zu entziehen. Stabil, sehr aufnahmefähig und trotzdem bleibt der Zug der Pfeife ungehindert.


Ein zusätzliches Thema sind kleine Füllvolumen, die in jüngerer Zeit vermehrt nachgefragt werden. Sei es als ideale Flake-Pfeife, sei es, um kürzere Rauchdauer mit normalen Mixtures zu erzielen. Diese beiden "mutigen", aber durchaus harmonischen Versionen bringen diese Anforderung mit dem Calabash-System zusammen... und das so stimmig, dass an diesen Pfeifen auch die Industrie Lizenz-Interessen angemeldet hat.

Diese Pfeifen können mit abschraubbaren Köpfen gefertigt werden.



Das sorgt für noch einmal problemlosere Reinigung und ermöglicht ggf. sogar Versuche mit Kieselgel-Filterkristallen oder Meerschaumstückchen. So findet jeder Raucher seine individuelle Lösung.


Natürlich ist das Calabash-System auch in konventionellen Pfeifenformen unterzubringen. Im Falle dieses Hängers sogar unter Verwendung eines 9 mm-AK-Filters. Interessant ist am Rande, dass diese Pfeife quasi ein "Recycling-Produkt" ist, da sie aus dem Korpus einer Gebrauchtpfeife entstand. Übrigens lassen sich auch viele, vorhandene Pfeifen auf das System umbauen.


Ebenfalls Bestandteil der Calabash-Idee ist die "Reinkarnation" der Shag-Pfeife. Was zunächst seltsam anmutet, macht durchaus Sinn. Einmal ergibt sich die Möglichkeit, Raucher, die der Zigarette müde sind, auf leichtem Weg für die Pfeife zu interessieren. Zum Zweiten haben Pfeifen dieser Größe ein ökonomisches Argument auf ihrer Seite: Mit einem Drittel Tabak, den man für eine selbst gestopfte Zigarette benötigt, ermöglichen diese Pfeifen 7-10 Minuten Rauchvergnügen. Selbst diese, etwa 12 x 12 mm kleinen Tabakräume profitieren vom Calabash-System. Mir ist es tatsächlich gelungen, einem Marlboro-Feinschnitt Geschmack abzugewinnen. Das hat mich schon erstaunt. ...und das eher hausbacken-zweckmäßige Image der Vergangenheit legen diese "Shaggys" auch ab, wie man an diesem Kleinod gut erkennen kann:



Das klingt alles sehr nach Werbung? Nun, ich bin der Meinung, dass man die traditionellen Werte der Pfeife schützen muss. Ich denke aber auch, dass sich ein Produkt geänderten Bedürfnissen und Erwartungen anpassen muss, will es fortbestehen. Ideen, wie die oben geschilderte, erfordern zunächst mal zeitliche und geldliche Investition, verbunden mit dem Risiko, vielleicht "Schiffbruch" zu erleiden. Wenn sich trotzdem immer wieder "Pioniere" finden, die testen und versuchen, um die Pfeife im Gespräch zu halten, sie auch für neue Interessenten attraktiv zu machen, sie weiter zu entwickeln, dann sollte man diesen Leuten Respekt und Offenheit entgegen bringen. Die Pfeife hat sich stets gewandelt und entwickelt. Das aber nicht durch "Berufskritiker" und "Generell-Ablehner", sondern durch Menschen, die versucht haben, Positives beizutragen.

Ich hatte und habe Gelegenheit, alle oben gezeigten Pfeifen ausgiebig zu testen... ich habe oft gestaunt und bin mit meinen "festen Ansichten" manches Mal zurück gerudert. ...und weil ich vom Tabakgeschmack und der Handhabung dieser Pfeifen wirklich begeistert bin, wollte ich darüber erzählen. Wie SIE darüber urteilen, überlasse ich IHREM Geschmack.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

1 Kommentar:

  1. Toll und verständlich geschrieben.
    Auch wenn ich beim Ofi-rauchen von allen Pfeifenladen keinerlei Probleme mit Hitze,Feuchte oder Zungen rennen habe, diese Ansätze würde ich gerne mal probieren.
    Mit einerBigBen "Cutvy) habe ich schon gute Erfahrung gemacht.Hätte aber lieber die etwas normalange Pfeifenausführung. Einfach mal um Neues auszuprobieren.

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