Willkommen bei Jogi-wan...

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Montag, 14. August 2017

Gawith & Hoggarth - Revor Plug

Es offenbart sich ein ganz dunkler, fast schon schwarzer Balken, wenn man diesen gelben Pouch aus UK öffnet. Volle Power voraus… da gibt es wohl keinen Zweifel. Und dann der Duft: Teer, so, als wenn man an einer frisch asphaltierten Straße steht. Vielleicht eine Prise von Heu, vielleicht ein Hauch von Blumen.

Gawith & Hoggarth produzieren hier seit langer Zeit einen Virginia/Burley als Plug mit einem ganz eigenen Charakter. Ein Tabak, der nur eine bestimmte Gruppe von Pfeifenrauchern erreichen und begeistern dürfte. Diese allerdings werden darauf schwören, so einzigartig ist diese Mischung. 

 
Die Handhabung eines Plug ist, je nach Produktion, Härtegrad und Dauer der Pressung zuweilen umständlich. Auf der einen Seite pure Nostalgie, so wie man Tabak schon von vor vielen Jahren genossen und mitgeführt hat, auf der anderen Seite eben die Erfordernis, das Pfeiferauchen zu zelebrieren. Der „Revor Plug“ gehört rein physisch nicht zu den brettharten Vertretern.. Man kann ihn mit den Händen ohne große Kraftanstrengung leicht biegen und mit den Fingern eine kleine Menge an Tabak herunter bröseln.



Er ist etwas zu feucht im Pouch, aber lediglich eine halbe Stunde der geschnittenen Portion an der frischen Luft machen den Tabak rauchbar und genießbar. Auf der Zunge entfaltet sich dann ein sehr komplexes Aroma. Deswegen ist der „Revor Plug“ wahrscheinlich auch nicht anfängertauglich. Da sind dezent florale Noten, eine leichte Süße, hin und wieder eine klitzekleine fruchtige Note im Hintergrund und eine Spur von feuchtem Holz. Klingt nicht sehr appetitlich? Doch, ist es… wenn man zur Zielgruppe gehört.

Dieser Plug dürfte auch zu den Schwergewichten in Sachen Stärke zählen. Obwohl sehr sanft zur Zunge, offeriert der „Revor Plug“ eine Tonne voll Nikotin. Man merkt es zu Beginn gar nicht, aber das Sättigungsgefühl kann enorm sein. Da stellt sich die Frage nach einem großen oder kleinen Kopf. Man kann da keine einzige und richtige Antwort drauf geben. Wer es verträgt, wählt die lange Rauchdauer und kann sich vielleicht noch ein bisschen mehr an den komplexen Aromen erfreuen. Das Gleiche gilt für die Filterfrage.

Insgesamt ein Klassiker aus der Schmiede der britischen Tabakkunst, den man aufgrund seiner Einzigartigkeit in seinem Pfeifenraucherleben zumindest mal probiert haben sollte. Keine Bange, er kommt nicht so wuchtig daher wie er aussieht!



Autor:
Ralf Ruhenstroth

Freitag, 14. Juli 2017

McClelland - Town Topic (Premium Aromatic)

"Delightfully fragrant in the room, soft on the palate, this smooth blend has long-lasting good taste. Delicately maple flavoured in a time-honoured tradition for a smoke that's the talk of the town."

Da stecken schon, wenn man sich darauf einlassen mag, Dosenprosa zu deuten, einige Schlüsselbegriffe drin, die andeuten, was dem Raucher dieses Blends bevorsteht - positiv interpretiert eine weiche, sanfte, hintergründige Raucherfahrung. Klingt zunächst sehr interessant für mich, der ich zwar gerne auch naturnah rauche, aber dennoch rasch dabei bin, Blends als zu kräftig oder zu vollmundig für meinen persönlichen Geschmack zurückzuweisen.


Das an Maple angelehnte Aroma ist zwar eines der besseren, riecht aus der Dose nicht chemisch, und es ist wirklich vergleichsweise dezent eingesetzt - das ist aber auch schon das erste Manko, erstaunlicherweise.

Vor dem Anzünden muss der Käufer zunächst Geduld haben (oder die Mikrowelle einsetzen): Konstruktionsbedingt ist der Tabak so feucht, dass er nach mehreren Monaten in der entsiegelten und nur mit dem Kunststoffdeckel wieder verschlossenen Dose IMMER noch 24 Stunden (portionsweise bei Raumluft ausgelegt) braucht, um trocken genug für das Rauchen im Rahmen einer fairen Beurteilung zu werden.

Den „Town Topic“ habe ich, fürs Protokoll, aus Bruyères und Cobs ohne Verwendung eines Filters geraucht. Beim Anzünden der recht grob gerissenen Mischung entfaltet sich zunächst das Maplearoma, süß, natürlich - und ganz, ganz schwach. Glimmt der Tabak dann zufriedenstellend, steigt sichtbar Rauch auf. Das war es im Grunde.

Die Tabakmischung besteht zu 80-90% aus burleybasierten Black Cavendish - der ebenfalls nicht regelrecht minderwertig zu sein scheint, jedenfalls schmeckt er nicht von vornherein widerlich, säuerlich, harsch, sondern benimmt sich ab Start noch recht zivilisiert. Die verwendeten Tabake tragen so gut wie nichts zum Erlebnis bei, nur auf nüchternen Gaumen und bei kontemplativem Hinschmecken kann ich bestätigen, überhaupt so etwas wie ein Tabakprodukt zu konsumieren.


Ehrlich formulieren möchte ich es so: Der „Town Topic“ ist alles in allem zu schwach, um ihn anständig rauchen zu können. Das Problem, vielleicht auch nur MEIN Problem ist: das Zeug schmeckt GAR NICHT; das Topping ist beim Rauchen so hintergründig, dass ich instinktiv versuche, schneller und kräftiger zu ziehen. Dasselbe passiert, wenn ich nach so etwas wie "Body" im TT suche, oder gar Nikotin. Und dann kippt er sofort, wird bitter, schmeckt angebrannt - wohlgemerkt, AUCH hintergündig - aber erholt sich danach nicht wieder.

Hätte man, ich deutete es oben bereits an, wenigstens ein bisschen mehr Aroma verwendet, dann könnte der TT wenigstens in dieser Kategorie glänzen, um die Naschsucht zu befriedigen. Aber in dieser Konfiguration kann ich mir beim besten Willen niemanden vorstellen, dem ich den „Town Topic“ empfehlen würde. Zwar gibt es durchaus Raucher, die auf der Suche nach der ultimativen Leichtigkeit sind - aber denen seien doch besser Blends ans Herz gelegt, die sie auch ohne die Umstände und Unwägbarkeiten einer US - Bestellung erwerben können.


Autor:
Markus Heinrich


Dienstag, 11. Juli 2017

TAK - Scottish Blend Aromatic

Ja, woher soll ich denn wissen, wie der ideale Beginner-Tabak schmeckt? All' die Jahre wussten das doch vor allem weniger versierte Händler ganz genau. Nach Nuss, Frucht und sonst was musste er schmecken… nur nicht nach Tabak. Soviel Aromasoße, wie möglich drin… damit es dem Einsteiger auch schön in der Pfeife gurgelt und auf der Zunge brennt. Ich will aber nicht undankbar sein. Allmählich setzt ein Umdenken ein und man traut auch dem Neuling an der Pfeife zu, Tabakaromen für sich zu bewerten und auf sich wirken zu lassen… und das funktioniert scheinbar ganz gut.

Eine Empfehlung, die ich heute aussprechen möchte, kommt aus dem, zur Zeit, wohl kreativsten Tabakhaus unseres Landes, von Tom Darasz aus Kiel. Unter seiner Marke TAK bietet Tom eine Mischung an, die ausgewogener und milder kaum sein könnte. Dabei hat Herr Darasz dabei gar nicht mal das Pulver neu erfunden. Er hat sich nur der ehemals so beliebten „schottischen Mischungen“ erinnert und einen sehr kultivierten Vertreter dieser Tabakart geschaffen. Helle und dunkle Virginias werden mit etwas Burley abgestimmt und dezent mit einem süßenden Aroma versehen. Was so einfach klingt, ist es aber nicht. Die Mischungsverhältnisse wollen wohl austariert sein und das zugegebene Aroma darf die feinen, aber prägenden Eigenaromen der Tabake nicht überdecken.


Sehr gelungen würde ich sagen. Zarte Heunoten der Virginias haben ebenso Platz, wie ein wenig Nussigkeit, die der Burley zusteuert. Eher delikat, als zu süß, macht die Mischung auch aus größeren Köpfen Spaß. Durch ihre Harmonie fördert sie sehr entspannten Tabakgenuss, ist aber kein „laues Lüftchen“, man darf schon merken, dass man raucht… aber keinerlei Spitzen, keine Schwankungen im Geschmack - und das tatsächlich über die gesamte Füllung. Der Umgang mit dem „Scottish Blend Aromatic“ wird zusätzlich durch seinen feinen, eher langfaserigen Schnitt erleichtert, der sich einmal gut stopfen lässt und zum Zweiten eigentlich zu jeder Pfeifengröße passt… wenn es nicht gerade ein Fingerhütchen mit Mundstück ist. Ein wenig vorgetrocknet glimmt er ruhig und gleichmäßig, was die ersten Füllungen ja nun auch merklich erleichtert. Zudem ist er äußerst friedlich im Umgang mit der Zunge und hat keinen Hang zum Sottern. Ideal? Jooo… könnte man so sagen!


Wenn das aber der ideale Tabak für Beginner ist, wieso rauche ICH davon jetzt die dritte Füllung hintereinander? Nun, weil friedensstiftende Mischungen, wie diese, auch ein Labsal für den erfahrenen Raucher sein können. Kein Gezicke, keine Tricks, keine umständliche Vorbereitung. Das ist doch manchmal genau das, was man sucht. Wenn man sich einfach ein entspannendes Pfeifchen gönnen möchte, ohne sich groß darauf konzentrieren zu müssen… auch da hat dieser Mix seinen eigenen Charme.

Ganz dicke Empfehlung also, für die noch nicht so versierten Pfeifenfreunde, die gern auch was vom Tabak schmecken möchten, ohne das das Gefühl aufkommt, gleichzeitig in einen Obstkorb gebissen zu haben… und auch den alten Hasen ist zu dieser Mixtur zu raten. Einmal, weil es sich um einen Tabakkumpel für alle Fälle handelt… aber auch, weil man sich so wunderbar an die alten „Scottish Mixtures“ erinnern kann, die der Zeitgeist samt und sonders hinweg gerafft hat. Da ist der Bursche hier schon auch ein kleines Juwel! Besonders erfreulich, dass es das schon für 11 Euro für 100 (!) Gramm gibt.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Freitag, 7. Juli 2017

Mac Baren - Mixture Flake

Es gibt ihn schon lange, und doch fand er nie so richtig zu mir. Das ist seltsam, denn ich bin ein bekennender Fan „der Allzweckwaffe für den Pfeifenraucher“, nämlich der „Mixture – Scottish Blend“ von Mac Baren. Wirklich erstaunlich, denn ich mag auch Flakes… Bis mich die Nachricht erreichte, dass die Flake-Variante der „Mixture“ nun nicht mehr in der Dose erhältlich ist, sondern nun in einem Pouch, in dem sich eine quadratische Kunststoffform befindet. In dieser Form liegen Flakes in einer Konsistenz, wie es nicht besser sein kann. Also nun doch auch mal die Flake-Variante für mich...


Lecker sehen sie aus… die kleinen Flakeplatten, bestehend aus Virginias, Burley und dem sog. Mac Baren Original Cavendish. Der Durchmesser setzt positive Maßstäbe, denn genau so wird das Stopfen der Pfeife mit einem Flake zum leichten Spiel. Es duftet aromatisch und ich vermag auch hier beim besten Willen keine klare Aussage darüber treffen, um was für eine Aromatisierung es sich handelt. Typisch „Mac Baren“? Ich nehme das in diesem Fall so hin, denn auch bei der „Mixture“ duftet Honig anders als auf vielen Seiten der Pfeifenrauchergemeinde diskutiert.


Das Ganze glimmt leicht und sanft vor sich hin, ist mittelstark und überfordert niemals. Die Devise lautet „Flake rauchen leicht gemacht – Für Anfänger geeignet“. Selbst der Kopf der Pfeife darf durchaus etwas größer sein…. Vielleicht, damit sich das Aroma noch ein kleines bisschen besser entfalten kann/soll. Kein geschmacklicher Überflieger, der die Tabakfeinkost bis zum Exzess vollzieht. Ganz solide für Fans aromatischer Tabake, denen die Vanille und auch die Fruchtaromen zum Hals heraus hängen. Ups.. die rauchen ja schon seit Jahrzehnten die „Mixture“…. Na ja, vielleicht probieren sie nun endlich doch mal einen Flake. Etwas Abwechslung kann ja nicht schaden. Bleibt die Frage, ob der Flake nun exakt wie die „Mixture“ schmeckt. Irgendwie schon und irgendwie doch nicht…. Etwas dezenter in seinem Aroma, etwas natürlicher, aber sonst…?



Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 12. Juni 2017

Der Zauber mangelnder Verfügbarkeit!

Vorbei… aus und vorbei! Vorbei die Zeiten, als man die Karte von Mallorca nicht zuerst nach Sehenswürdigkeiten durchsuchte, sondern in die jeweiligen Planquadrate die Lagen der größten Tabakgeschäfte einzeichnete. Vorbei die Zeit, als jeden Pfeife rauchenden Spanienurlauber beim Hinweisschild „Tienda de Tabaco“ oder schlicht „Tabacos“ ein wohliger Schauer überkam und er sich zur Schatzsuche bereit hielt! ...und dann das Gefühl, wenn man im Laden einem Zehnerpack „St.Bruno“ ganz allein gegenüber stand. Da verkamen Steilküsten, Kathedralen und Sandstrände zur puren Staffage.


Das konspirative Lächeln des Paketboten, wenn er uns mal wieder ein Päckchen aus Elisabeths Königreich in die Hand drückte, dass sich beim Zoll durchgemogelt hatte. Die zittrigen Finger beim Öffnen… und dann, wenn Augen und Hirn langsam und feierlich registrierten, was da auf dem Inhalt stand: Sankt Bru-No Flake…ach, einfach herrlich.

Vorbei auch die Zeit, wo man sich Freunde nicht nach der Zuneigung aussuchte, sondern nach Urlaubsziel oder gar Verwandtschaft. „Ach…Du bist gebürtiger Spanier? Deine Eltern leben immer noch dort? Interessannnnt… Zeit für einen Kaffee?“ „Du fährst nach Barcelona, im Urlaub? Aha… ja,j a… tolle Stadt! Du… ich hätte da mal ‚ne Frage!“


War es nicht auch ein großartiges Gefühl, wenn man dann alle Tricks erfolgreich ausgereizt hatte und daheim im Tabakschrank ganze drei Pouches mit der geliebten Aufschrift lagen? Reich… man war reich. So reich, dass die Gebrüder Albrecht dagegen gefühlte Sozialrentner waren! Meiiiin Schatz!

Das soll nun alles Geschichte sein? Nur, weil Mac Baren der ewigen Nölerei phantasieloser Raucher nachgibt, die nicht willens und in der Lage waren, sich für Genuss etwas zur Decke zu strecken? Was soll nun aus den Sozialkontakten zu Deutsch-Spaniern werden? Wie soll der Tabak schmecken, wenn man ihn einfach beim Händler aus dem Regal nehmen kann, ihm also der Prozentsatz an Zauber fehlt? Das ist ja so, als stünde ich vor dem Eingang zum Wald, würde die würzige Luft schon riechen, ein letztes Mal die Klinge des Pilzmessers überprüfen… und jemand käme aus der Schonung und stellte mir einen Korb bereits geputzter Pfifferlinge direkt vor die Füße!?


Ja… geht… geht nur und holt Euch im Spätsommer vom Laden an der Ecke einfach so Euren „St. Bruno Flake“. Wenn Ihr es nicht fühlt, Ihr werdet es nicht erjagen. Für mich hingegen bleibt nur wenig Trost. Doch…warte mal… CONDOR… ja, klar! CONDOR heißt die Medizin. „Entschuldigung, habe ich es richtig verstanden, dass Ihr in diesem Jahr nach Andalusien fahrt? Ja? Wunderbar, ich hätte da mal ‚ne Frage….!“

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 10. Juni 2017

Presbyterian - Presbyterian Mixture

Die frisch gekaufte Dose öffnen, gleich wieder schließen und gegen den starken Drang ankämpfen, sie mit Schmackes in den Müll werfen zu wollen. So geht es mir ganz oft mit Tabaken, die im Hause Planta angemischt werden. Das liegt nicht an Qualität oder Auswahl der verwendeten Grundtabake, sondern am typischen Planta-Hauscasing, das viele Raucher kennen, aber nur wenige benennen können. Für mich riecht es regelrecht widerlich. Aber ich weiß, dass sich dieser Geruch nach ein, zwei Stunden des Lüftens und wenigen Tagen Ruhezeit des Tabaks in der wieder verschlossenen Dose auf ein, auch für mich, erträgliches Maß reduziert haben wird, handelt es sich doch beim „Presbyterian“ nicht im mindesten um eine aromatisierte Mischung, sondern im Gegenteil, um einen raffinierten Engländer, der einiges zu bieten hat.


Butterig-weiche Orients nämlich zuerst und zuvorderst. Die milde, süßliche Variante, die tatsächlich ein bisschen nach Butter schmeckt und die einen ein bisschen an die milderen Blends von Samuel Gawith erinnert, „Skiff“, „Squadron Leader“. (NICHT die Sorten, die sich durch prägnante, fast animalische Würze auszeichnen; der Rattray's „Red Rapparee“ fällt mir hier ein, oder altmodische Orientzigaretten, "Botschafter" und ähnliche.)

Soviel von diesen Orientsorten beinhaltet der „Presbyterian“, dass der helle süße Virginia (der auch, ich bin mir sicher, das eingangs besprochene Haus-Aroma mitbringt) nur eine untergeordnete Rolle spielt. Aber die weichen, leichten Orients mit einem zu derben Virginia zu erden, würde den Blend auch unausgewogen erscheinen lassen. Der Latakia ist so hintergründig vertreten, dass einige Reviewer sogar rundheraus verneinen, überhaupt welchen wahrzunehmen. Ich schmecke ihn deutlich heraus, er rundet den „Presbyterian“ aber lediglich als Gewürz ab (hey, das ist WICHTIG, bei Speisen genauso wie im Tabak!), anstatt den Blend mit seiner Rauchigkeit zu dominieren.

Für mich persönlich ein Tabak für kühle, regnerische Sommertage, an denen die hellen Virginias zu sonnig schmecken würden, aber auch keine Herbststimmung aufkommen soll. Er ergänzt wunderbar den Duft feuchter Vegetation, wenn man ihn auf der überdachten Veranda oder auch nur am offenen Fenster im langen Zwielicht verregneter Nachmittage genießt.


Autor: Markus Heinrich


Freitag, 12. Mai 2017

Vom Underdog zum kleinen Star!

Nö, Sie kennen mich nicht. Ich war immer schon eher unscheinbar und von Geburt an auch nicht zu höheren Weihen berufen. Ich stamme aus einer Zeit, wo es viele wie mich gab. Ohne viel Liebe und Mühe zur Welt gebracht, kaum komplett, schon mit vielen Artgenossen in einem großen Korb. Dort erschien dann gelegentlich eine Männerhand, wühlte uns eher lustlos durcheinander und nahm ein, zwei von uns heraus … ohne uns auch nur einen näheren Blick zu schenken - einfach so. War wohl auch besser, denn ich und viele Artgenossen waren und sind alles andere als fehlerlos.

Nun, zur Arbeit taugten wir. Bei Regen und Wind draußen, oft zugestopft mit billigen und sehr fein geschnittenen Tabakfasern. Mir ging es auch so. Jahrein, jahraus… den ganzen Tag diese Gluthitze, nicht einmal der Schweiß konnte trocknen. Kaum wurde es mal etwas kühler, weil die Glut den Tabak aus meinem Bauch entfernt hatte – ZACK! - steckte die nächste Füllung irgendeines billigen Krauts in mir und die Flamme kam näher.


Tja, das hinterlässt Spuren, macht nicht schöner oder besser schmeckend… und zum Dank für die Knüppelei wirst Du irgendwann, einfach so, mit ein paar Leidensgenossen in eine Plastiktüte geworfen. Na ja, man hat ja nur ein paar Mark gekostet… und doch hätte man sich von seinem Leben ein wenig mehr versprochen. Man glaubt, das war es. Ende…d as „Paradies“ ist eine Plastiktüte, in der man mit anderen unbeachtet vor sich hin stinkt. Ja… stinkt… ich kann nichts dafür. Keine Pflege, sie erinnern sich?


Doch dann kam alles anders. Zunächst griff mich eine Männerhand aus der Tüte, um mich auf ein Brett zu legen… und es kam eine Frauenhand, die auf MICH zeigte und sagte: “DIE ist hübsch. Kriegt man die wieder hin?“ Die Männerhand knurrte daraufhin so einige Dinge. Es ging um viel Dreck, Billigzeug, nicht lohnenden Aufwand, um ein Nylonmundstück und seltsame Verarbeitung - ich denke aber mal, damit war ich nicht gemeint…. denn man entfernte mir die Kohle aus meinem Bauch, bürstete mich innen und außen sauber, schliff mich ab, gab meiner Haut neue Beize, sogar Wachs und polierte mein Nylonmundstück von Hand, da es an der Maschine schnell verbrennt… kurzum, man machte mich quasi wie neu. Zwischendurch hörte ich es wieder von „viel zu viel Aufwand“ und „… was macht man nicht alles“ brummen. Dafür hatte ich aber keine Zeit, musste ich mich doch auf mein zweites Leben vorbereiten, in dem ich die viele Zuneigung für mich mit bester Rauchbarkeit und gutem Geschmack vergelten wollte.


Anscheinend gelingt mir das, denn die Frauenhand, die mich stopft, hält und reinigt, ist sehr sorgsam und lobt mich auch. Die Krönung ist, dass ich in einem Regal wohne… dort habe ich Vauen und Oldenkott als Nachbarn…d a hätte ich früher nicht einmal gewagt, von zu träumen.


Gelegentlich zeigt die Frauenhand mich herum. Dann höre ich „ungewöhnlich“ oder „originell“ und „schön“, das hätte früher, als ich jung war, niemand zu mir gesagt. Na ja, die Hände haben angeblich so eine Seuche… Nostalgie nennt man die… das könnte der Grund sein.

Ist auch egal, mir geht es jedenfalls gut, in meinem zweiten Leben… und man mag mich, weil ich so unkompliziert bin und fein funktioniere… halt einfach so, wie ich es damals mal gelernt habe. Scheint heute nicht mehr so häufig zu sein, deshalb haben die Hände solchen Spaß an mir. Warum ich das alles erzähle? Nun, vielleicht finden IHRE Hände ja mal einen Kollegen von mir. Dann werfen Sie ihn nicht gleich zurück, auch, wenn er abgearbeitet und verbraucht aussieht. Wir sind für jede Zuneigung dankbar und zeigen es auch. Lassen Sie es Ihre Hände doch auch einfach mal versuchen… mehr als einen Euro kostet es selten und vielleicht wird es dann auch eine so glückliche Geschichte wie meine?



Autor: Ralf Dings